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Geschichte

„Geschichte treiben heißt Brücken zwischen Vergangenheit und Gegenwart schlagen und beide Ufer beobachten und an beiden tätig werden." (Bernhard Schlink, Der Vorleser, Zürich 1995, S. 172)

Wer als studierter junger Mensch den Lehrerberuf ergreift, macht Geschichte in vielfacher Weise. Das ist ein schönes Pensum, das wir Ihnen erleichtern, aber auch aufbürden.

Zunächst entwickeln Sie sich im Referendariat von der spezialisierten Person zum Lehrer oder zur Lehrerin. Sie schreiben dabei zugleich ein Stück Ihrer eigenen Lebensgeschichte. Sie erproben sich in vielfältigen Situationen, die fachlich, persönlich und sozial herausfordernd sind. Sie bekommen Gelegenheit, Ihre Ideen auszuprobieren, die sich oft genug an der schulischen Realität brechen. Sie nehmen Abschied vom Geschichtsunterricht, wie Sie ihn möglicherweise aus Ihrer eigenen Schulzeit kennen, verlieren die größten Hemmungen beim Betreten einer neuen Klasse, erfinden beiläufig in einer Klasse einen Kniff, von dem Sie tagelang begeistert sind, nur um daraufhin festzustellen, dass er in anderen Klassen gar nicht „funktioniert“. Kurzum: Der Weg zur Professionalisierung führt über eine intensive fachliche und praktische Konfrontation mit sich selbst. Das ist lehrreich und wird mit Erwerb von Handlungsfreiheit und einem Zugewinn an reflektiertem Selbstbewusstein belohnt. 

Zweitens schreiben Sie Geschichte für Ihre Schülerinnen und Schüler, weil Sie denen als ihr Lehrer oder Lehrerin sympathisch, einfallsreich, witzig, kompetent, gerecht usw. erscheinen und darüber historisch sinnbildend wirken. Sie nehmen es in dieser Rolle mit starken Konkurrenten auf – von historisierenden Playmobil-Figuren über Hollywood bis zu Günter Jauch – und Sie sortieren Vorwissen aller Art: von Karnevalskostümen über Konsolenspiele bis zu Eindrücken aus dem letzten Sommerurlaub.

Schließlich: So wie Gesellschaften im Wesentlichen nur das erinnern, das sie als interessant oder bedeutsam erfahren und das ihnen Antwort auf relevante Fragen ihrer eigenen Existenz gibt, so gestalten Sie als Lehrerin oder Lehrer einen wichtigen Teil gegenwärtiger und zukünftiger historischer Identität: „Die Menschen machen ihre Geschichte nicht aus freien Stücken, aber sie machen sie selbst“ (Titel einer „Geschichte des Volkes in NRW“ von Lutz Niethammer, Bodo Hombach, Tilman P. Fichter. Berlin, Bonn 1984).

Und bei diesem Selbermachen von Geschichte sollen Sie den jungen Menschen helfen. Sie lösen damit auch den gesellschaftlichen Anspruch ein, den jungen Generationen eine aufgeklärte Vorstellung von geschichtlicher Gewordenheit zu vermitteln. Nur so können sie Brücken zwischen Vergangenheit und Gegenwart schlagen und Zukunft verantwortungsvoll gestalten.

Wie aber wird Geschichtsunterricht „interessant“, „bedeutsam“ und „relevant“? Es wird Ihre Aufgabe sein, aus fachdidaktischen Prinzipien und praktischen Anregungen, die Sie im Seminar erfahren, einen für Ihre Schülerinnen und Schüler passenden und glaubwürdigen Unterricht zu gestalten. Dass Sie sich als Referendarinnen und Referendare vielfach ihrerseits oftmals in der Schülerrolle fühlen, da Sie belehrt, beobachtet, kritisiert und benotet werden, wird Ihnen helfen, sich in Ihre Schülerinnen und Schüler einzufühlen.

Das Kerncurriculum für Geschichte steht Ihnen zum Download zur Verfügung.

Kerncurriculum OVP 2016 (ab Jahrgang November 2016)


Fachleiterinnen und Fachleiter: Meike Engler, Justus Karhof, Dr. Eva Lettermann, Daniel Raths 

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